Diskussion mit gesprochenem Wort.
Markus Gossolt: Unsere Idee ist, Provolation als Begriff zu entladen, um ihn dann wieder aufzuladen. Mittlerweile sehen wir es als Qualität, dass er so ein Gefälle in sich trägt.
Johannes Hedinger: Die Recherche zeigt, dass es fast nichts gibt zu dem Begriff. Die Kunst der Povokation oder Provokation der Kunst? Provokation durch Provokation interessiert uns eigentlich nicht?
Wolfgang Ullrich: Gibt es einen Unterschied zwischen Euch und Fomaten wie Swan?
Markus Hedinger: Warum darf UNICEF mit fast pädophilen Bildern Aufmersamkeit auf sich ziehen? - Weil sie diesen Anker im Moralischen haben.
Werner de Schepper: Ich glaube der Begriff P-Faktor führt nicht weiter. Das tötet alles ab, schon nur der Begriff P-Faktor.
Wolfgang Ullrich: Neben P-Faktor müsste man noch mindestens 2 weitere Faktoren haben.
Werner de Schepper: Im Blick: B-Faktor: Blut, Busen, Blech.
David Signer: Man kann nicht mit dem P-Faktor beginnen. Entweder ich berichte etwas Neues, das die Leute noch nicht wissen. Oder ich werfe ein neues Licht auf ein bekanntes Phänomen. Und dann ist wichtig, obe es wahr ist, was ich sage. Es geht natürlich immer darum, ewas anderes zu machen.
Wir haben zum Beispiel gesagt: Das Waldsterben war ein Mythos. Das hat sich dann als wahr erwiesen.
Werner de Schepper: Ich glaube es braucht über die Verifizierbarkeit hinaus eine Art Offenheit für Provokation. Fragen provozieren mehr als Antworten.
Güzin Kar: Ich glaube nicht, das jede öffentliche Debatte eine Provokation beinhalten muss. Die Leute müssen mit dem Thema einverstanden sein. Kann man mit Provokation die Leute dazu bringen, am Thema interessiert zu sein? Aus einer öffentlichen Debatte muss nicht immer eine Provokation entstehen. Es braucht eine moralische Haltung dazu.
Werner de Schepper: Eine Behauptung ist umgekehrt heute nicht automatisch eine Provokation.
Güzin Kar: Wenn in einem Film drei Leute hinauslaufen weil sie sich langweien, dann ist das heute keine Provokation mehr, auch wenn der Filmer es als solche wertet und damit argumentiert.
David Signer: Eure Aktion mit Mocmoc ist eine Aktion, wo ihr selbst nich so viel riskiert. Ihr habt mit der Debatte schon gewonnen.
Güzin Kar: Warum gilt Michael Moore als der provokanteste Film, obwohl immer nur die anderen provoziert sind? Er hat überhaupt kein Risiko eingegangen. Ich unerstelle, dass Künstler nur soweit gehen, dass der Touch Provokation Ihnen wohltut. Ein wirkliches Risiko gehen sie nicht ein.
Werner de Schepper: Auch ein Loblied auf Blocher ist risikolos.
Güzin Kar: In der Türkei wurden Schriftsteller geköpft für ihr Schreiben. Das ist eine Luxusdebatte, die wir hier führen. Schön, aber wirklich Luxus. Für mich ist das auch ein Spiel.
Franz Liebl: Provokation ist tatsächlich nur eine Vermutung, nämlich die, dass jemand provoziert sein könnte. Es geht das Gerücht, dass jemand provoziert sein könnte. Siehe Michael Moore.
Wolfgang Ullrich: Jetzt neu, provokant!
Franz Liebl: Wie möchte ich mich denn heute provozieren lassen?
Werner de Schepper: Jeder Chefredakteur weiss, worüber er nicht schreiben darf (nennt einiges), wenn er an seiner Position bleiben will. Das wäre Eingehen auf ein echtes Risiko.
Wolfgang Ullrich: Ja, in der Kunst gibt es den Idealtypen, der sich provozieren lässt, so nicht. Es gibt nur den Insider und die, die sich nicht angesprochen fühlen. Man sollte in der Werbung schauen, wo sich ein Wort "neu" durch "provokant" ersetzen lässt.
Franz Liebl: Es scheint, dass echte Provolation oft unbewusst geschieht. Man würde sich gar nicht trauen, wenn man wüsste, was man damit auslöst. Der Echte hat gar kein Feindbild. Wenn ich die Provokation vom Rezipienten her denke, gibt es immer nur den Provozierten.
Der Provokateur wird zum Provokatuer, indem es Rezipienten gibt. Man kann nicht erzwingen Provokateur zu sein. Und man kann es nicht verhindern.
Güzin Kar: Graham Greene hat einmal gesagt, dass Shirley Temple, der Kinderstar, den die ganze Nation liebte, erfolgreich sei, weil Kinder eine sexuelle Ausstrahlung haben. Weil er etwas ausgesprochen hatte, was alle wussten, wurde er abgeschossen.
Franz Liebl: Provokation kann nie ein Ziel sein. Das wird schal.
David Signer: Gibt es bei den Medien nicht auch die kalkulierte Provokation?
Wolfgang Ullrich: Das ist dann eher ein Aufreger, eine Förderung der Emotion. Beipiel Moshammer. Bei Schlingensief hngegen war teilweise wirklich ein Risiko im Spiel.
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